BIO auch im Urlaub
In Zeiten verheerender Naturkatastrophen, weltweiter Umweltverschmutzung und globaler Klimaveränderung, in Anbetracht diverser Lebensmittelskandale – angefangen beim Gammelfleisch bis hin zu gepanschtem Wein – sowie der momentan aktuellen „Verchemisierung“ unserer Lebensmittel – seien es Analogkäse, Klebeschinken oder die vielen Aroma- und Zusatzstoffe, die den Lebensmitteln beigemischt werden – neigt der gestresste, stets erreichbare und äußerst mobile Mensch unserer Tage dazu, sich zumindest in Bezug auf seine Ernährung wieder mehr auf das Natürliche zu besinnen.
BIO-Joghurt, BIO-Käse, BIO-Wurst oder Obst sowie Gemüse aus biologischem Anbau stehen derzeit hoch im Kurs und sind mittlerweile nicht mehr nur auf alteingesessenen Wochenmärkten, sondern auch in Discountern und Supermärkten aller Couleur zu erhalten. Großer Beliebtheit erfreuen sich zudem Gutshöfe, auf denen man ökologisch-sinnvoll produzierte Lebensmittel noch direkt beim Erzeuger erwerben kann. Doch wer nun bereits im täglichen Leben auf eine – auch mit Blick auf die Produktion der Lebensmittel – biologisch wertvolle Ernährung achtet und vielleicht selbst andere Bereiche des Alltags unter Berücksichtigung einiger Umweltschutzaspekte meistert, wer also zum Beispiel seinen Müll vorschriftsmäßig trennt, nicht mehr Wasser als nötig verbraucht oder sein Auto möglichst spritsparend bewegt, der hätte doch sicher auch genügend Anreize, seinen Urlaub – weit weg vom Alltagstrott – in Hotels zu verbringen, deren Betreiber darauf achten, die Umwelt entsprechend zu schützen und ihre Gäste mit biologischen Lebensmitteln zu verwöhnen. Und in der Tat… dies ist ohne weiteres möglich – haben sich doch unter der Bezeichnung „BIO-Hotels“ mehrere Hoteliers zusammengefunden, deren Häuser dem umwelt- und gesundheitsbewussten Gast unter eben jenen Gesichtspunkten zur Verfügung stehen.
Ziele der BIO-Hotels
„Die BIO-Hotels haben sich zum Ziel gesetzt, eine andere, nachhaltige Wirtschaftsweise in ihren Unternehmen zu verwirklichen. Das zieht sich sowohl durch die meisten Entscheidungen als auch durch das touristische Angebot. Dahinter stehen Überzeugungen – zum Beispiel dass eine biologische Landwirtschaft besser als eine konventionelle ist oder dass es eben nicht egal ist, wie ein Unternehmen mit Mitarbeitern oder der Umwelt umgeht. Aus diesem Bewusstsein entstand der Wunsch zu handeln, das Hotel konsequent umzustellen, zum Beispiel in der Küche ausschließlich Bio-Produkte einzusetzen.“
Dieses Zitat des Vorstands der Gruppe der BIO-Hotels verdeutlicht, welches Ziel sich die Hoteliers dieses Verbundes gesteckt haben: umweltbewusstes, ökologisches und menschenfreundliches Handeln in allen Bereichen der einzelnen, dieser Gemeinschaft zugehörigen Betriebe. Man möchte den Gästen Erholung in schönster Natur, eingebunden in eine intakte Umwelt, bieten. Um diese weiterhin zu schützen und für nachfolgende Generationen zu erhalten, will man nachhaltig wirtschaften und sich den Gesetzen der Natur unterordnen. Dies beginnt etwa bei der Optimierung der Logistik, führt über die Ökologisierung der Gebiete Non-Food und Mitarbeiter und geht hin bis zu strengen Vorschriften hinsichtlich der zu verwendenden Speisen und Getränke. So haben es sich die BIO-Hotels zur Vorgabe gemacht, nur und ohne Ausnahme Bioprodukte, die – sofern möglich – aus regionaler Erzeugung stammen, zu verarbeiten. Strenge Regelungen geben diesen Vorsätzen einen nahezu gesetzlichen Rahmen. Demnach dürfen beispielsweise nur Fische aus direktem Wildfang, nicht aber aus konventioneller Zucht zubereitet werden. Wild muss unmittelbar vom Jäger oder von einer Jagdgemeinschaft mit entsprechendem Herkunftsnachweis bezogen werden. Lebensmittel aus der landwirtschaftlichen Produktion müssen ausnahmslos aus Biobetrieben stammen. Auch für Getränke gilt die Bestimmung der 100%igen Bioqualität. Für den Bereich außerhalb der Bar werden vom Vorstand der Gruppe pro Hotelbetrieb maximal drei konventionelle Produkte genehmigt. Für die Bar selbst gilt, dass Ausnahmen zur Verwendung konventioneller Getränke nach Genehmigung durch den Vorstand und gegen die Zahlung so genannter Pönale (eine Art Vertragsstrafe) möglich sind. Keinerlei Ausnahmen sind hingegen bei Kaffee und Kakao zulässig. Die Einhaltung dieser Regeln wird streng überwacht. Bei Nicht-Einhaltung der Bestimmungen werden die der Gruppe zugehörigen Hotels mit entsprechenden Sanktionen belegt, was bei besonderer Schwere und bei Wiederholung des Verstoßes bis hin zum Ausschluss des jeweiligen Betriebes aus der Gemeinschaft führen kann.
Geschichte und Aktuelles
Das Hotel Schweitzer in Mieming (Tirol) darf als erstes „BioHotel“ gelten. Dieses Haus wurde im Jahr 2001 als erstes europäisches Hotel überhaupt nach EU VO 2092/91 zertifiziert. Die Gruppe der BIO-Hotels entsteht in der nachfolgenden Zeit durch den Zusammenschluss verschiedener Hoteliers, welche die bereits genannten Aspekte im Hinblick auf Ökologie, Nachhaltigkeit und Umweltschutz in ihren Betrieben einheitlich umsetzen möchten. Schließlich wird die Marke „BIO-Hotels“ 2002 beim Patentamt Wien registriert. Mittlerweile haben sich über 60 Hotels in Österreich, Italien, Deutschland, der Schweiz, Spanien, Frankreich und Irland der Gemeinschaft angeschlossen. Die Betriebe in Österreich arbeiten eng mit dem Bioanbauverband Ernte Austria zusammen und dürfen sich mit dem Bio-Austria-Gütesiegel schmücken. Die deutschen BIO-Hotels kooperieren mit Bioland.
In Deutschland locken BIO-Hotels unter anderem in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen oder Thüringen. Selbst in Berlin wird man auf der Suche nach einem Hotel der Gruppe fündig. In Österreich kann man seinen Urlaub in Häusern der BIO-Hotels zum Beispiel in Kärnten, dem Salzburger Land oder in Tirol verbringen. Darüber hinaus freuen sich umweltbewusste Hoteliers im französischen Elsass sowie im italienischen Südtirol auf ihre Gäste.
Bio- und Nationalparkhotel Helvetia in Schmilka, Sächsische Schweiz
BioVitalHotel Sommerau in St. Koloman bei Salzburg
Dass BIO alles andere als langweilig ist, beweist nicht nur die breite Palette der Bioprodukte, deutlich wird dies auch anhand der sehr abwechslungsreichen Ausrichtung der verschiedenen Themengebiete der BIO-Hotels. Auf diese Weise werden höchst unterschiedliche Zielgruppen angesprochen. Zu den Themen zählen das Kulinarium, Wellness, Medical Wellness, Gesundheit, Fasten, Naturnähe, Sport & Bewegung, Tagungen & Seminare, Kulturerlebnis, Familienurlaub, Single-Geborgenheit, Feste & Feiern, Romantik sowie der Themenbereich „Bio findet Stadt“. Letzteres meint, dass Städte- und Geschäftsreisende nicht länger auf Bioqualität verzichten müssen und so auch einige BIO-Hotels für diese Gruppe der Reisenden bereitstehen. Ebenfalls können in zahlreichen BIO-Hotels Tagungen, Konferenzen oder Seminare abgehalten werden – Tagungstechnik sowie anderes Equipment ist ausreichend vorhanden und das Biokonzept wird auch in diesem Bereich erfolgreich umgesetzt. Viele der BIO-Hotels richten zudem gern Festlichkeiten aller Art aus. Einer gelungenen und vor allem biologisch wertvollen Hochzeit oder einer solchen Geburtstagsfeier steht damit nichts im Wege.
Für denjenigen, der also – wie eingangs erwähnt – im alltäglichen Leben zunehmend auf biologische Produkte zurückgreift und seiner Verantwortung der Umwelt gegenüber auch im Urlaub gerecht werden möchte, ist das umfassende Angebot der BIO-Hotels demzufolge genau das Richtige! Der geneigte Gast braucht nur noch einen Weg zu finden, auf ökologisch möglichst einwandfreien Wegen zu seinem BIO-Hotel zu gelangen – anbieten würden sich hierfür der Drahtesel, ein Ritt zu Pferde oder die ganz einfache Variante per pedes. Wem dies zu anstrengend ist, kann ja zumindest auf die Dienste der Deutschen Bahn oder anderer europäischer Eisenbahnbetriebe zurückkommen. Schwieriger wird es da schon, sollte die Reise nach Spanien oder Irland gehen – das Flugzeug wäre als Transportmittel aus umwelttechnischen Aspekten sicher keine allzu gute Variante…
Ulrike




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